Von OpenSource und Bäckern
Als ich noch bei einer mittelständischen Computerkette im Verkauf tätig war (ich war jung, Student und brauchte das Geld) kam es zur folgenden Situation mit einem Kunden:
- Kunde Hallo! Ich brauche einen DSL-Router. Welchen können Sie empfehlen?
- Ich Der Linksys Router hier ist ein guter.
- Kunde Ah ja. Warum? Also, was macht ihn besser als die anderen?
- Ich Nun, z.B. hat er eine open source Firmware… Kunde unterbricht mich, er scheint mit dem Begriff was anfangen zu können.
- Kunde Oh! Nein, dann nehme ich den auf keinen Fall. Der ist ja dann total unsicher.
Tja, was soll man da sagen. Zur Erklärung oder Aufklärung kam es nicht, der Kunde verließ ziemlich schnell das Geschäft. In Gedanken beschäftige ich mich manchmal dennoch mit der damaligen Situation, denn wer weiß, wann man nochmal jemandem erklären muss, was open source ist und warum das nicht sicherer ist. Ich würde es nun folgendermaßen tun:
Stellen Sie sich zwei Bäcker nebeneinander vor. Der rechte verkauft Rosinenbrötchen, der andere ebenfalls. Geht man beim rechten ins Geschäft und fragt nach dem Rezept, weil sie einem so gut schmecken, würde man nur ausgelacht mit der Begründung “Da könnt ich ja gleich den Laden zu machen!”.
Beim linken hängt das Rezept im Schaufenster. Jeder kann es sehen. Man muss nichtmal ins Geschäft dafür gehen. Es kommt vor, dass Omas ins Geschäft kommen und sagen “Wenn sie das Mehl in der Milch länger quellen lassen, schmeckts noch besser!”. Oder ein Lebensmittelingenieur gibt den Tipp, die Fliegen durch Rosinen zu ersetzen. Alles wird vom Bäcker ausprobiert und wenn es sich bewährt hat, mit ins Rezept aufgenommen.
Klar, manche schreiben sich das Rezept ab und backen es nach. Da ist auch nichts gegen einzuwenden. Die meisten bleiben jedoch bei ihrem Stammbäcker, denn dort wird das Rezept am ehesten verbessert.
Mit der Zeit kommen sogar mehr Kunden zum linken. Denn so ein Kerngeschäft wie der tägliche Brot- und Brötcheneinkauf ist Vertrauenssache.
Wer jetzt den Einwand hegt “Hey, der Bäcker der rechten Bäckerei könnte sich doch auch immer am Rezept der linken bedienen!” hat volkommen recht. Die Lizenz besagt jedoch, dass alle Änderungen jedoch dem Autor des Rezepts mitgeteilt werden müssen.
| Artikel drucken | Dieser Beitrag wurde von sebbe am 6. Januar 2010 um 09:24 veröffentlicht und unter Computer, Leute abgelegt. Du kannst allen Antworten zu diesem Beitrag durch RSS 2.0 folgen. Du kannst eine Antwort schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Seite hinterlassen. |
vor 2 Jahren
Sehr schöner Vergleich.
Sehr schön. Mach bloß weiter mit deinem Blog. Immerhin bist du jetzt ja schon zu Ruhm gekommen, dadurch das jaxenter direkt auf dich verlinkt (*g*).
Ich hoffe ich lese auch in Zukunft wieder was von dir.
vor 2 Jahren
Exzellenter Post, danke. Ich mache gerade eine Präsentation und versuche Open source zu erklären – da werde ich dich gleich mal zitieren
vor 2 Jahren
“Wer jetzt den Einwand hegt ‘Hey, der Bäcker der rechten Bäckerei könnte sich doch auch immer am Rezept der linken bedienen!’ hat volkommen recht.”
Eben. Das würde nämlich auch sofort jeder Bäcker sagen… Und das:
“Die Lizenz besagt jedoch, dass alle Änderungen jedoch dem Autor des Rezepts mitgeteilt werden müssen.”
interessierte ihn dann schon nicht mehr, wenn er’s überhaupt verstünde. Und das gilt genauso für den Kunden.
Das Prinzip Open Source kann in der Produktion kopierbarer Güter wie Software Sinn machen, wo es ja seit langem eine ganze Reihe echter Vorzeigeprojekte gibt, wenngleich es auch dort nicht nur positiv wirkt, aber für die materielle Produktion innerhalb einer auf Marktwirtschaft und Konkurrenz statt Kooperation basierten Welt ist es, fürchte ich, denkbar ungeeignet, und deswegen helfen solche Ansätze auch nicht wirklich, wenn man das Konzept erklären will, schon gar nicht, wenn man Nichtfachleute ansprechen will.
vor 2 Jahren
Danke für dein Kommentar. Nun, ich wollte damit auch keinen Tipp für Bäcker geben, sondern eine Analogie schaffen, die jeder nachvollziehen kann. Für den Fall der GPL-Verletzung gibt es aber auch Stellen, die sich für einen einsetzen. Die haben zwar alle Hände voll zu tun, aber es ist nicht zwecklos, etwas als Firma unter diese Lizenz zu stellen.
Am Beispiel meines alten Arbeitgebers sehe ich das: Die stellen ein CMS her, welches dual lizenziert wird. Der Kunde kauft etwas, für das er Anpassungen und Support bekommt, trotzdem gibt es die volle Version unter GPL zum download. Das funktioniert recht gut.
vor 1 Jahr
Schöner Vergleich, den muss ich mir für die Zukunft merken